home
Literatur 1925-62
Sinnfindung
Wort-Bild-Brücke
vita 1962-85
Literatur 1962-85
Meine literarischen Arbeiten sind in der
1. Lebenshälfte geprägt von einer nicht definierbaren Suche, es folgte ein stark empfundener, aber unbegriffener Fund und die 2. Lebenshälfte bestand praktisch nur noch aus der Anstrengung, diesen Fund zu verstehen, und zu beschreiben.
Cover-Traumfelsensinfonie

Beim Zusammenstellen meiner literarischen Arbeiten, fiel mir auf, dass ich schon immer den Kontakt zum Bild gesucht hatte, bzw. Texte mit eigenen Zeichnungen versah.

So war z.B. dem 'letzten Märchen' - genannt TRAUMFELSENSINFONIE - der erste Besuch einer Kunstausstellung vorausgegangen. Meine Freiburger Schulfreundin schleppte mich hin mit den Worten, die müsse ich mir unbedingt ansehen. Ich hatte sie noch nie so begeistert erlebt und war sehr gespannt.

Ich stamme nicht von Eva ab

Es verunsicherte meine Eltern und später meine Partner sehr, dass sie die Eva nicht aus mir herausholen konnten. Wie lange dauerte es bis ich endlich auf Lilith stieß, auf ein gänzlich anderes Frauenbild. Eine Eva scheint niemand zu ängstigen, Lilith offensichtlich Männer wie Frauen. Warum?
Irgendwann stieß ich auf die Tatsache, dass die jüdische Kabala
2 Paare im Paradies auftreten lässt. Die Frage lautete sofort: warum hat unsere Bibel das eine Paar weggelassen oder was hat man Unkenntliches daraus gemacht, damit nichts verloren geht und die Bibel 'trotzdem' recht hat?
 
Da gab es wirklich nur eine Möglichkeit: Baum der Erkenntnis und Schlange mussten diesem 2. Paar entsprechen - und was finde ich endlich?
'...die vielfach gewundene Schlange, die Lilith ist.' ( Buch Emek - Ammeleh XI) Da können mir die christlichen Interpretationen einer bösen Schlange erstmal gestohlen bleiben und ich nehme Zuflucht bei der Gnosis, wo diese Schlange dem Logos entspricht, d.h. dem Heiligen Geist. Welche Blasphemie, welch tödliches Entzücken: Lilith als inkarnierter Logos. Sie steht also dem Dogma Jesus = Christus im Wege. Nicht schlecht. Hat man sich als Frau nicht immer über die Penetranz männlicher 'Erlöser' aufgeregt? Oder habe nur ich mich darüber mokiert?
Im Mai 1963, kurz vor meinem Rückflug nach Deutschland um die Freiheit, die nirgendwohin zu führen scheint, wieder aufzugeben, begegne ich bei einer Vernissage in der American Galery Lawrence Compton. Mein Leben nimmt die entscheidende Wende.
Der erste Eindruck ist kein Gefühl sondern der ungeheure Stoss im Kopf:
Das ist es - nicht loslassen
Portrait1964
Wechsel zu einer neuen Sichtweise
Lawrence Compton schreibt in seinem Lagos Manuskript: "Es wird behauptet, dass die Formen-Wahrnehmung das Mittel des Menschen und anderer Säugetiere sei, seine Vision über die Welt zu prägen. Ich bezweifle, dass das eine tragbare Verallgemeinerung ist. In der afrikanischen Kultur wurde das Mittel der Motion-Wahrnehmung entwickelt, indem die sichtbaren oder unsichtbaren Bewegungen einer Raum-Zeit-Einheit die entscheidende Rolle spielen, das Universum zu registrieren und auszudrücken." Es gibt also mindestens 2 Weisen, die Welt zu begreifen. Als Form mit Bildreflektion oder als Motion mit Bewegungsreflektion. Trenne ich Zeit von Raum, so ist erstere Konzeption richtig, belasse ich Zeit und Raum in einer Einheit ist letztere Konzeption richtig. Fließend schreibe ich mich in die, mir bis dahin gänzlich unbekannte, schwarze Kultur hinein und verlasse die Sicherheit des, durchs Koordinatenkreuz geprägten, Denkgebäudes meiner Gesellschaft.
2 fast magisch zu nennende Ereignisse eröffnen mir einen gänzlichen neuen Zugang zu Geschichte.
1. MU ist, laut J.Churchward der älteste Name für einen untergegangenen riesigen Kontinent im Pazifik. Als ich 1970 in Paris zum erstenmal auf diesen merkwürdigen Namen stieß, übte er sofort eine ähnlich suggestive Macht auf mich als Schriftsteller aus, wie nach der Jahrhundertwende afrikanische Kunstobjekte auf Bild-Künstler. Und wie Picasso Masken abmalte und dann zum Beginn einer abstrakten europäischen Malerei durchstieß, fand ich mich plötzlich damit beschäftigt den Namen MU in allerlei Größen aufs Papier zu schreiben, fasziniert durch die immer stärker hervor-tretenden graphischen Elemente zweier Berge und einer Talmulde. Spielerisch zog ich die Berge auseinander und legte die isolierte Mulde zwischen sie - fertig war das Bild.
Urhuegel
Das bekam seine Bedeutung aber erst in dem Augenblick, da ich das gleiche Bild in den Vignetten des ägyptischen Totenbuches benutzt sah - mit einem Alter von Jahrtausenden. Die unterschied-lichen Kombinationen vergleichend, tat sich eines Tages eine wahre "Sesam öffne dich" Tüt auf zu bisher für Kunst gehaltene Mitteilungen.
Bis heute, d.h. fast zehn Jahe lang, wurde ich das Jagdfieber auf Kunst-Schrift-Material nicht mehr los. Es entstand ein Museum, in dem ich die Besucher an diese und weitere Wort-Bild-Brücken heranführte. Es folgte meist großes Staunen und dem Betrachter der Kunstwerke im Museum eröffnete sich ein gänzlich neuer Zugang.
MU Huegel
Nach meiner Rückkehr aus Afrika, stieß ich auf den Begriff NOMMO von dem sich der Namme meiner Forschungsarbeit - Nommologie - herleitet. Über einen Bekannten erhielt ich das Buch MUNTU von Janheinz Jahn und fand folgenden aufregenden Abschnitt:
"Von Ur an war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort", beginnt das Evangelium nach Johannes, und es scheint als stimmten NOMMO und Johanneischer Logos überein. Doch der Apostel fährt fort:"Dies (das Wort) war von Ur an bei Gott. Alles ist durch dies geworden, und ohne dies ward auch nicht eins, was geworden ist." In den Evangelien bleibt das Wort bei Gott, und der Mensch hat es zu bezeugen und zu verkünden. NOMMO hingegen war zwar auch am Anfang bei Gott (Amma), doch wird weiterhin alles nur durch
Siebdruck von Kolawole
das Wort und seit es den MUNTU gibt, ist das Wort beim MUNTU. NOMMO steht nicht jenseits und über der irdischen Welt. Logos wird nur Fleisch in Christus, NOMMO wird überall Fleisch. Logos hat dem Apostel zufolge alles so werden lassen und seither bleibt das Gewordene wie es ist, wird nicht weiterverwandelt. NOMMO jedoch zeugt und erzeugt unaufhörlich weiter, zeugt sogar Götter.
Soweit Janheinz Jahn. Ein Zeichen war nicht dabei, denn er berichtet nur über die NTU-Philosophie der Bantu, die das Zeichen nicht führen. Das tut ein anderer Stamm, die Dogon. Auf sie stieß ich erst später in Paris durch Kolawole. Ihr Zeichen als Tanzaufsatz beim alle 60 Jahre stattfindenden Sigui-Fest getragen, war für die längste Zeit das einzige, das sich direkt mit einem Grundmotiv von Kolawole deckte.
Liebe Frau H ... So total daneben getippt haben Sie in Ihrem Brief nicht. Rein äußerlich könnte man mich schon Kolawoles 'Mäzenin' nennen, wann immer ich Geld hatte, hab ich es in seine Kunst gesteckt. Es gab sogar jahrelang Gerüchte, ich würde ihn als meinen Liebhaber bezahlen. Es war für uns beide sehr mühsam, das alles durchzustehen. Denn natürlich war ganz etwas anderes los. Wir haben aus unterschiedlichen Gründen, von Anfang an vereinbart, dass ich für das Geld, das seinem Überleben diente, Bilder kaufte. Die Basis unserer ungemein schwierigen Verbindung sollte (trotz Liebe) nicht Liebe, sondern die Kunst sein. Ich kenne Mäzene, die hochbezahlte Bilder abhängen oder weggeben, wenn der betreffende Künstler sie mal Arschloch oder Kapitalistensau nennt. Hab ich nie verstanden. Kolawole hat mich hunderte Male Nazischwein genannt (wenn ich keine Person, sondern eine Deutsche für ihn war, oder eben einfach weiß), meine Begeisterung für seine Kunst hat das nie getrübt. Auch die Trennung 1973 hat absolut nichts verändert, was mich sehr glücklich macht.
Ich konnte auch nie verstehen, dass im letzten Weltkrieg Pfarrer plötzlich ihren Glauben an Gott verloren, weil Bombem fielen. Darüber wurden auch Filme gedreht. Ich hab nur den Kopf geschüttelt, denn dann hatten sie sich ganz einfach ein falsches Bild von Gott gemacht. Alles vergeht, die Wahrheit nicht ... Um die 'mythologischen Vergleiche mit Bezug auf ein Urwissen' geht es mir eigentlich nur sekundär; und von Vorstellung eines 'parapsychologischen Phänomen' kann überhaupt keine Rede sein. Wenn ich es so überlege, war primär mein Anliegen, den Rassismus zu überwinden; für Gerechtigkeit zu kämpfen, was eben nicht ohne Kampf um Wahrheit geht, die wiederum nicht aufzudecken ist ohne die geschichtlichen Zusammenhänge......Herzl.Grüße
Wellenschlag eines neuen Jahrtausends

...das Bernsteinland ertrank
einer der Familie segelte davon
ihr heiliger Schwan trug sie in neue Paradiese...

die Bremen ist mein heiliger Schwan
ich schwimme nach Amerika
schwimmen die Symbole der Aroganz mit?
1962

Die Bremen

biographische Collage

Gisela von Frankenberg

Wort-Bild-Brücke

literatur von 1962-1985

vita von 1962-1985
Lebenslinien

Lebenslinien
Auswanderung in die USA

Vita von 1925 bis 1962
Einband des Schauspiels Orpheline

Literatur von 1925 bis 1962
Wueste Californiens

Sinnfindung
Wwort-Bild-Brücke
Nommo-Buch
Portrait mit Enkelin

Es handelte sich sich um die während des NS-Systems verbotenen Bilder des 'Blauen Reiters'. Um ehrlich zu sein, rührte mich zunächst nicht das geringste an, so sehr ich mich auch anstrengte, ich war nahe daran, die andächtigen Betrachter samt Freundin auszulachen.

Und dann blieb ich plötzlich wie angenagelt stehen, vor einem kleinen Aquarell in zarten Farben. Auf einer Bergspitze lag wie schlafend ein Reh. Aber in meiner Vorstellung schlief es nicht wirklich, es träumte und was es träumte, schien meine eigenen Träume zu enthalten.
Das war zunächst alles.
Wanderung

Denn meine eigenen Träume waren mir nicht klar, sie umgaben mich nur Tag und Nacht, ohne greifbare Gestalt zu gewinnen. Oft durchstreifte ich bei Vollmond die nahen Tannenwälder und besonders dann gingen reale Eindrücke und innere Gefühlswelten völlig ineinander über. In diesen ungewissen Grenzgängen wurde immer stärker eine Trauer manifest, für die ich keine subjektiven Gründe fand. Der Text des Märchens, das ich dann schrieb, läßt aber von heute aus analysiert, keinen Zweifel daran, dass ich das Ende einer Welt empfand und zwar genau in jenem Jahr 1949, das ich nun nommologisch als letztes Jahr eines großen Sonnenzyklus von 25920 Jahren einsetze.
Durch Gisela von Frankenbergs Leben zieht sich dieses Gefühl anders zu sein, nicht dazu zu gehören. Das geht soweit, dass sie versucht ihrem Leben ein Ende zu setzen. Für einen Neustart wechselt sie, nach klinischer Wiederbelebung, den Kontinent. Sie trifft auf den Mann, der genau dies Anderssein, diese Lilith in ihr sucht. Sie wird seine Lebenspartnerin für einen spirituellen Alleingang. Die Begegnung mit dem Afro-Amerikanischen Künstler und Philosophen L.C.Kolawole führt sie nicht nur zu einem völlig neuen Weltverständnis sondern auch zu ihrer wahren Identität. Sie entledigt sich eines Gewandes gestrickt aus den Fäden des christlich abendländischen Kulturkreises und wagt sich in absolutes Neuland.
Gedicht-Cover SEIT ICH LEBE IST DIE WELT EIN STEIN VOLLER FISCHE UND DIE SUCHE NACH GOTT IST IHRE BEWEGUNG WÄHREND DIE TAGE IM ZEICHEN DER SONNE ZEHNTAUSEND JAHRE WERDEN MAUERN STEINE DUNKEL ERST SCHWÄRZER ALS SCHWARZ ABER DANN IMMER MEHR TEILE DER FINSTERNIS VERBRENNEND DIE HÖHLEN IN HELLEN ZEMENT VERWANDELND GEMEISSELTES DAS MIR WEHT TUT

( Gedicht 'IM ATEM DER SCHATTEN DER STEINE' aus den Jahren 1961/62)
Der Blaue Mohr  
Buchbesprechung
Die mißglückte Rückkehr eines Sklavenabkömmlings aus den USA nach Afrika ist das Thema des dritten Buches von G.v.Frankenberg. Eine Rede, Aufzeichnungen, Zaubergeschichten, Verhöre etc. bringen eine enstehende Legende nahe, ohne sie im geringsten als schon fertig zu fixieren. Die ungeheure Lebendigkeit des Stoffes ist deshalb eine ganz direkte, der Leser wird oft das Gefühl haben, sich in einem aufgescheuchten Bienenvolk zu befinden, das sich neu formieren will. Trotzdem herrscht kein Chaos.
Die große zentrale Figur eines außergewöhnlichen Negers wirkt auf die teils verträumten, teils terroristischen Ansätze seiner Umwelt wie ein katalysierendes Sammelbecken. Seine Brüder in den brennenden US-Städten zeichnen nach der Begegnung mit ihm die Menschheitsgeschichte neu. Übergangslos daneben stehen die inneren Explosionen der Haupfigur, in denen G.v.Frankenbergs Sprache so eigenwillig wird wie free jazz.
Besonders geglückt ist die Ausfächerung des dritten Teils in die Hintergründe des nigerianischen Bürgerkriegs, Tonband und Juu bringen den bösen Busch der Geister in direkten Kontakt mit dem Leser. Ein hochaktuelles, vielschichtiges Thema dreier Kontinente, das nach neuen Mitteln der Bearbeitung verlangte. Der Autorin ist ein sensationelles Buch gelungen.
2. Meine ganze Geschichtsforschung wurde erst möglich als die Verknüpfung von Kolawoles Grundmotiven mit den Zodiakzeichen (Großkalender der Geschichte) gelang, ein Akt, den ich kaum mehr zu beschreiben vermag. Wenn ich ehrlich bin, rührte ich an etwas Verbotenem - von heute aus gesehen war es so fürchterlich aufregend, wie der legendäre Biß Evas in den verbotenen Apfel: Ich begann wöchentlich abends ein Seminar abzuhalten in einem schwarz gestrichenen leeren Raum mit orangefarbenem Teppichboden. Dort saßen wir im Kreis auf dem Boden, zwischen 10 und über 20 Personen, und ich sprach über den noch recht vagen Fund. Ich hatte die 24 Grundmotive aus schwarzer Pappe ausgeschnitten und parallel dazu die Zodiakzeichen.
Zodiakzuordnung
Die Zuordnung war ein innerer Trieb, es gibt nirgendwo auch nicht in meinem Kopf, eine Theorie, die danach verlangt hätte; in keinem Buch ist je davon gesprochen worden, die Zodiakzeichen könnten ein Code oder Schlüssel zu irgentetwas sein. Von mir aus war es ein magischer Akt, der von den Zeichen selbst ausging, als sie so nebeneinander lagen. Eine Art Magnetismus, oder eine Korrespondenz zur Psyche. Ein Spiegel, in den sie automatisch ordnend eingriff. Mit Intelligenz hatte das nichts zu tun, mit Intelligenz versuche ich seither die Richtigkeit zu beweisen. Es war auch keine Vision, sondern eher ein enstehendes stimmiges Wohlgefühl und das 24 mal: ja, passt! Besser kann ich es nicht beschreiben.
Gleichzeitig war es aber auch wie eine stilisierte Menschenfigur gestaltet. Die Nachforschungen verliefen lange Zeit zweigleisig: NOMMO als textlicher Begriff für das Wort, das am Anfang steht, dessen Geheimnis ich auf der Spur war, und dann NOMMO als Figur oder mythologische Person. Durch die theologische Verwirrung innerhalb der christlichen Religion, aus deren dogmatischem Denkschema man ja auch ohne Kirchenbesuch kaum herauskommt, fiel es mir relativ schwer, in der NOMMO-Figur den verkörperten Logos d.h. den echten Christus zu erkennen. Aber erst dann fiel das ganze angelernte Weltbild wie ein Kartenhaus zusammen und gab Platz für ein stimmiges Weltsystem. Sowie die Überzeugung die 24 Grundmotive seien NOMMO, das Ur-Wort, und ihr Schöpfer die wiederkehrende NOMMO-Figur.
Nommo-Tanzaufsatz
Den Beweis trete ich in meiner Forschungsarbeit Nommologie an. Es enstehen neben dem Aufbau eines Museums die Grundsatzwerke 'Nommo', 'Blaue Blume', ein kulturvergleichendes Lexikon und eine 7-bändige Semesterreihe, die ich in meinem Museum abgehalten habe. Sie beinhaltet eine Reise durch die Vergangenheit aller Kontinente. Als Abschluß versuchte ich die Überlieferungen zusammenzutragen, die noch über den untergangenen Kontinent MU existieren, denn hier begann die Sonderentwicklung des Menschen indem NOMMO (das Wort) zum MUNTU ( der Mensch) kam und den Weg der Erkenntnis in Gang setzte..

Am 8. Mai 1985 klingelte es an unserer Wohnungstür, 2 unheimlich wirkende, unbekannte Männer, wie aus einer Mottenkiste entstiegen, wollten eine Botschaft an unsere Mutter überbringen. Wir versuchten sie abzuwimmeln, wollten unsere schwer kranke Mutter schützen, aber sie ließen sich nicht vertreiben. 'Sie kämen aus einem Kloster und hätten folgende Botschaft zu übermitteln. Sie kämen zu zweit, damit sie auch nichts vergäßen'. Und die Botschaft lautete in etwa so:

"Ihr Initiationsweg geht zu Ende und damit auch die Trennung von Gott.
Ihre Seele wird bald erlöst werden. Ihr schwerer Weg wird nicht auf Erden, sondern im Himmel belohnt werden.
Sie werden mit zwei Kronen und drei Gürteln geschmückt werden für die Hochzeit mit dem Lamm.
Sie gehören zu den Wenigen, die auserwählt wurden. Wo sie sein werden, werden sie in Weisheit sein.
Durch sie wurde in Deutschland die Tendenz zu einer Erweckung konzentriert."

Der Text war um einiges länger, aber wir können uns nicht mehr an den vollen Wortlaut erinnern, weil wir ihn damals nicht hören wollten. Wir wollten den nahenden Tod unserer Mutter nicht wahr haben, der ca einen Monat nach dieser Botschaft eintrat.

biographisches
...Als das Festland endgültig verschwunden war und der Ozean den Eindruck totaler Unendlichkeit vermittelte, ließ die Person im grauen Reisekostüm den ersten Gegenstand ins Wasser fallen: ein Familienbuch mit den Eintragungen von Geburt, Eheschließung, Kindstaufen und Scheidung. Und leicht verträumt vom Wellengang rekapitulierte sie die merkwürdige Geschichte ihrer Brautzeit und Familienschließung....Die Handtasche war voll von Dingen, die bis zur Abfahrt wichtig gewesen waren. Sie hatte genau 7 Tage Zeit, sich von unlösbar scheinenden Verflechtungen zu befreien. In diesem Lebensabschnitt offenbarte sich das Meer noch nicht als geschichtliche Flüssigkeit, in der die Millionen Leichen fortgesetzter Völkerstreitigkeiten verwesten, es war nichts als Wasser und ein herrlich offenes Maul für Erinnerungsabfälle..
....Die Frau, die sich einen Neuanfang schaffen wollte, kramte weiter in der umfangreichen Handtasche aus orangefarbenem Kunstleder.
 
Fotos. Weg damit. Es sah lustig aus, die blassen Gesichter der Eltern, Geschwister und Großeltern auf dem Ozean tanzen zu sehn. Sie überlegte einen Augenblick und streifte dann den Wappenring mit dem lateinischen Leitspruch ab. Er versank neben dem dunkelsten Foto, einem Mann in Talar und Barett.
Angeblich begann die Familie viertausend Jahre v.Z.. Aber wer weiß, ob es hilft, dieses sichtbare Symbol biologischer Arroganz abzustoßen, dachte sie unüberzeugt...
Sie versuchte auch die traditionellen Träume wegzuwerfen.
UNSTERBLICHKEIT - ins Wasser mit dem Gilgamesch-Epos.
VOLLKOMMENHEIT - ins Wasser mit der griechischen Mythologie.
ERLÖSUNG - in den Ozean mit der Christus-Legende im NT.
EINZIGARTIGKEIT - weg mit dem Darwinismus in Taschenbuchformat
GUTSEIN - und weg mit der falschen Vorraussetzung für Marxismus..

(Wüstes Stück mit Herz, G.v.Frankenberg 1970)
"Die größte Arbeit verläuft lautlos und unsichtbar,
so unerträglich lautlos und einsam, dass sie nur wenige Diener findet.
Könnten wir zurückfinden aus der Verwirrung: Arbeiten um Mensch zu sein." (Tagebuch 1949?)